Micron Document
<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Geschichtsbild</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtsbild"> <link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Geschichtsbild rootpage-Geschichtsbild skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Geschichtsbild</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Unter einem <b>Geschichtsbild</b> versteht man im Allgemeinen die Summe der geschichtlichen Vorstellungen eines Menschen oder einer Gruppe. Je weniger Wissen, desto mehr Fantasie bestimmt das jeweilige Geschichtsbild. Es ist Teil des umfassenderen <a href="Weltbild" title="Weltbild">Weltbildes</a> eines Menschen oder der Gruppe. Unter Geschichtsbild wird einerseits ein genereller Blickwinkel auf geschichtliches Geschehen in der Art eines <a href="Paradigma" title="Paradigma">Paradigmas</a> verstanden (siehe Abschnitt <i>Geschichtsbilder</i>), anderseits aber auch die (zeitbedingte und daher auch Änderungen unterliegende) Interpretation bestimmter Ereignisse und Personen, vor allem mit dem Zweck politischer Instrumentalisierung im Sinne von <a href="Geschichtspolitik" title="Geschichtspolitik">Geschichtspolitik</a> (siehe Abschnitt <i>Wirkungen des Geschichtsbildes</i>).
</p><p>Daneben gibt es aber auch den Wortsinn Bild aus der Geschichte über die Geschichte. Davon handelt der Abschnitt <i>Geschichtsbild (konkret)</i>. Zu unterscheiden ist zwischen Geschichtsbildern und der historischen Forschung. Erstere sind mittlerweile selbst Forschungsgegenstand der <a href="Geschichtswissenschaft" title="Geschichtswissenschaft">Geschichtswissenschaft</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichtsbilder">Geschichtsbilder</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Teleologisches_Geschichtsbild">Teleologisches Geschichtsbild</h3></div>
<p>Unter einem <a href="Teleologie" title="Teleologie">teleologischen</a> Geschichtsbild versteht man die Vorstellung, dass die Geschichte einem bestimmten Endzweck zustrebt. Häufig handelt es sich um religiöse Vorstellungen, etwa die, dass die Geschichte mit einem »Jüngsten Gericht«&nbsp;endet. Auch die »Klassenlose Gesellschaft«&nbsp;als Endzweck gesellschaftlicher Entwicklungen definiert ein teleologisches Geschichtsbild.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zyklisches_Geschichtsbild">Zyklisches Geschichtsbild</h3></div>
<p>Diese besonders in Asien verbreitete Vorstellung glaubt, dass sich alles wiederhole. Zwar gibt es eine eindeutige Bewegungsrichtung –&nbsp;vorgestellt als Bewegung auf einem Kreis&nbsp;– aber die Bewegung die nie endet, kommt nach einiger Zeit wieder da an, wo sie herkam. Häufig werden dabei bestimmte auffallende Ereignisse als Kennzeichnung des Beginns eines neuen Zyklus gesehen, etwa die Erleuchtung eines neuen Buddha.
</p><p>Auch in Europa gab es zyklische Geschichtsvorstellungen, etwa bei <a href="Oswald_Spengler" title="Oswald Spengler">Oswald Spengler</a>. Geistiger Vater dieses zyklischen Geschichtsverständnisses ist der griechische Geschichtsschreiber <a href="Polybios" title="Polybios">Polybios</a>, der dem antiken Rom eine Sonderstellung innerhalb seines Modells attestierte, vereine es doch das Beste von <a href="Aristokratie" title="Aristokratie">Aristokratie</a>, <a href="Monarchie" title="Monarchie">Monarchie</a> und <a href="Demokratie" title="Demokratie">Demokratie</a>. Doch nach Ansicht Polybios’ war auch diese Balance von hoher Fragilität, da die Dekadenz – also fehlende Tugend der Bürger – drohte, das Gleichgewicht zu kippen und Rom in eine <a href="Tyrannis" title="Tyrannis">Tyrannis</a> zu überführen. Ausgang aus der Tyrannis, der vermeintlich schlechtesten Form der Herrschaft, ist nur durch den Tod oder die Tötung des Herrschers zu finden. Über Zwischenstufen wird sich dann das vermeintlich beste Modell, die Aristokratie, herausbilden, woraufhin der Zyklus wieder in die Ausbildung einer Tyrannis mündet.
Einer der Hauptgründe für das heute lineare Geschichtsverständnis dürfte das Aufkommen des Christentums sein, das an den Anfang der Geschichte die Schöpfung der Welt setzt und ans Ende die Erlösung. Eine zyklische Vorstellung von Geschichte wurde so obsolet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="„Nichts_Neues_unter_der_Sonne“"><span id=".E2.80.9ENichts_Neues_unter_der_Sonne.E2.80.9C"></span>„Nichts Neues unter der Sonne“</h3></div>
<p>Dass sich&nbsp;»<a href="Sub_specie_aeternitatis" title="Sub specie aeternitatis">sub specie aeternitatis</a>«&nbsp;nichts ändere und lediglich die Akzidentien unterscheidbar seien, war eine weitere Vorstellung von Geschichte. Ganz besonders wurde sie bei <a href="Niccol%C3%B2_Machiavelli" title="Niccolò Machiavelli">Niccolò Machiavelli</a> deutlich. Diesem Standpunkt der Konstanz der wesentlichen Elemente der Politik folgt die Möglichkeit des Lernens aus Geschichte. Machiavelli abstrahierte von den Einzelereignissen und stellte Gesetzmäßigkeiten auf, die zeitlos gültig sein sollten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kulturoptimismus">Kulturoptimismus</h3></div>
<p>Unter <a href="Kulturoptimismus" class="mw-redirect" title="Kulturoptimismus">Kulturoptimismus</a> versteht man die Vorstellung, dass sich die Welt stets zum Besseren wende. Er ist manchmal, aber nicht immer, mit einer teleologischen Vorstellung verbunden. Die Vergangenheit erscheint so als das überwundene Schlechte. Häufig waren es so genannte „fortschrittliche“ politische Theorien, die die Vorstellung einer stetigen Verbesserung der Welt vertraten. Ein Lernen aus der Geschichte wäre hier sehr schwierig; allenfalls eine Extrapolation der gegenwärtigen Bewegungsrichtung wäre als Lern- und Prognosemöglichkeit denkbar.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kulturpessimismus">Kulturpessimismus</h3></div>
<p>Der <a href="Kulturpessimismus" title="Kulturpessimismus">Kulturpessimismus</a> ist die gegenteilige Vorstellung, dass sich die Welt ständig zum Schlechteren hin entwickele. Die Vorstellung wird durch die christliche Vorstellung der Vertreibung aus dem Paradies unterstützt. Mit einem kulturpessimistischen Geschichtsbild wird die Vergangenheit geradezu verklärt. Ein bekannter deutschsprachiger Vertreter des Kulturpessimismus war <a href="Ludwig_Klages" title="Ludwig Klages">Ludwig Klages</a> (vgl. auch <a href="Kulturkritik" title="Kulturkritik">Kulturkritik</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schicksal">Schicksal</h3></div>
<p>Häufig wird unterstellt, dass der Ablauf der Geschichte vorbestimmt sei und vom Einzelnen gar nicht wesentlich beeinflusst werden könne. Viele, aber nicht alle kulturoptimistischen Theorien nehmen dies an. In dieser Vorstellung kann man mit der Entwicklungsrichtung mitgehen („fortschrittlich“) oder als Bremser („konservativ“ oder „reaktionär“) dazu verurteilt sein, dass die Geschichte über einen hinweggeht. Auch der <a href="Historischer_Materialismus" title="Historischer Materialismus">historische Materialismus</a>, der von »ehernen Gesetzen«&nbsp;spricht, erlaubt einen Blick in die Zukunft durch Kenntnis ebendieser Gesetze. Anhänger der Vorbestimmtheit –&nbsp;welcher Art auch immer&nbsp;– kennen daher Einzelpersönlichkeiten oder Institutionen, die durch intensives Studium in der Lage sind, den Verlauf der Geschichte mehr oder weniger klar zu erkennen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vorsehung_und_Gott">Vorsehung und Gott</h3></div>
<p>Die Vorbestimmtheit wird oft verstärkt oder modifiziert, indem Gott mit ins Spiel gebracht wird: <a href="Heilsgeschichte" title="Heilsgeschichte">Heilsgeschichte</a>. Dies kann sowohl die Vorstellung eines handelnden (allmächtigen) Gottes sein, der in das Geschehen eingreift, oder auch die Vorstellung dessen, der die Entwicklungsrichtung kennt und sie daher „vorhersieht“. In der <a href="Antike" title="Antike">Antike</a> hielt man es für möglich, dass auch bestimmte Menschen (<a href="Auguren" class="mw-redirect" title="Auguren">Auguren</a>, <a href="Kassandra_(Mythologie)" title="Kassandra (Mythologie)">Kassandra (Mythologie)</a>) die Zukunft vorhersehen könnten. Das <a href="Orakel_von_Delphi" title="Orakel von Delphi">Orakel von Delphi</a> war in der hellenistischen Welt die bekannteste Institution dieser Art, in der die <a href="Pythia" title="Pythia">Pythia</a> weissagte. Heute genießt der Rat von Weissagern im Allgemeinen keinen guten Ruf. Aber es gibt immer noch Leute, die sich gern ihre Zukunft vorhersagen lassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Freier_Wille">Freier Wille</h3></div>
<p>Im Gegensatz dazu gibt es Vorstellungen, die annehmen, Menschen hätten einen <a href="Willensfreiheit" class="mw-redirect" title="Willensfreiheit">freien Willen</a> und würden Geschichte deshalb grundsätzlich als menschengemacht ansehen. Hier werden Einzelpersönlichkeiten herausgegriffen, die Geschichte „gestalten“. Der »starke Mann«&nbsp;und die zahlreichen historischen Persönlichkeiten mit dem Beinamen »der Große«&nbsp;sind Beispiele für die Annahme, dass ein starker Wille die Menschen auf ein Ziel hin ausrichten und damit die Welt (oder zumindest ein Land) gestalten könne. Eine Prognosemöglichkeit ergibt sich bei strenger Annahme des freien Willens nicht. Auch ein Lernen aus der Geschichte ist kaum möglich.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Strukturgeschichte">Strukturgeschichte</h3></div>
<p>Die <a href="Strukturgeschichte" title="Strukturgeschichte">Strukturgeschichtsschreibung</a> (vgl. u.&nbsp;a. <a href="Annales-Schule" title="Annales-Schule">Annales-Schule</a>) untersucht große historische Prozesse, innerhalb derer Individuen und Einzelereignissen nur wenig Spielraum zukommt (Gegenbegriff: <a href="Ereignisgeschichte" class="mw-redirect" title="Ereignisgeschichte">Ereignisgeschichte</a>). Ereignisse wären vielmehr stets Folgen derartiger Prozesse. Zum Beispiel wäre die <a href="Erfindung" title="Erfindung">Erfindung</a> der <a href="Dampfmaschine" title="Dampfmaschine">Dampfmaschine</a> Folge eines komplexen Prozesses, der letztlich zur Industriellen Revolution führte, nicht deren Auslöser. Technologischer Wandel, als Folge dessen die Dampfmaschine entwickelt wurde, wäre nur ein Element dieses Prozesses.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geschichtsbild_der_Geschichtswissenschaft">Geschichtsbild der Geschichtswissenschaft</h3></div>
<p>Auch die Geschichtswissenschaft kommt ohne Geschichtsbild nicht aus, doch geht hier die Tendenz zu immer differenzierteren Bildern. Im Allgemeinen werden Strukturgeschichte und die Bedeutung von <a href="Entscheidung" title="Entscheidung">Entscheidungen</a> von Personen und Gremien darin eine große Rolle spielen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wirkungen_des_Geschichtsbildes_–_Beispiele_von_Geschichtsbildern"><span id="Wirkungen_des_Geschichtsbildes_.E2.80.93_Beispiele_von_Geschichtsbildern"></span>Wirkungen des Geschichtsbildes – Beispiele von Geschichtsbildern</h2></div>
<p>Je nachdem, welches Geschichtsbild zugrunde gelegt wird, wird Geschichte sehr unterschiedlich dargestellt. Wer vom freien Willen ausgeht, wird Geschichte vor allem als Handlungsfolgen starker Einzelpersönlichkeiten darstellen. Wer hingegen mehr von Gesetzmäßigkeiten ausgeht und damit die handelnden Personen im Extremfall als Protokollanten der geschichtlichen „Entwicklung“ betrachtet, der wird den Personen einen geringeren Stellenwert beimessen.
</p><p>Einige Beispiele sollen dies zeigen:
</p><p><a href="Napol%C3%A9on_Bonaparte" class="mw-redirect" title="Napoléon Bonaparte">Napoleon Bonaparte</a> wurde etwa als ein Mensch gesehen, der durch seine Ausstrahlung die Menschen in seine Gewalt zwang. Verwiesen wird zum Beispiel auf seine Rückkehr aus der Verbannung, als er durch seine Ansprache die Truppen, die ihn aufhalten sollten, für sich gewann („Ich bin's, Euer Kaiser!“). Eine Variante dieser Vorstellung ist von <a href="Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel" title="Georg Wilhelm Friedrich Hegel">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</a> überliefert, der beim Anblick Napoleons ausrief: „Der Weltgeist zu Pferde“. Hegel glaubte, dass Napoleon nur ausführendes Organ des »Weltgeistes«&nbsp;sei, der sich in Napoleon verwirkliche.
</p><p>Ein anderes Beispiel ist <a href="Adolf_Hitler" title="Adolf Hitler">Adolf Hitler</a>, der oft als eine Persönlichkeit angesehen wird, die aufgrund eigenen Willens den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Auf die Person Hitlers bezogen, ist dieses Geschichtsbild nach wie vor populär. Wegen ihrer Einfachheit ist die Geschichtsdarstellung gemäß dem Motto „Große Männer machen Geschichte“ bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung weit verbreitet. In der historischen Forschung hingegen gilt derart personenorientierte Geschichtsschreibung bereits seit Jahrzehnten als überholt. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst durch eine starke Dominanz strukturgeschichtlicher Analysen abgelöst. Hiernach wäre der <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweite Weltkrieg</a> eine Folge komplexer Entwicklungen und durch strukturelle Elemente, wie die Nachkriegsordnung des <a href="Versailler_Vertrag" class="mw-redirect" title="Versailler Vertrag">Versailler Vertrages</a> und die <a href="Weltwirtschaftskrise" title="Weltwirtschaftskrise">Weltwirtschaftskrise</a> ausgelöst worden.
</p><p>Wie die Geistes- und Sozialwissenschaft allgemein, so ist auch die heutige Geschichtsschreibung durch eine Vielzahl von Ansätzen geprägt, welche nach langen methodologischen Debatten heute oft in Kombination Verwendung finden. Aktuelle Forschungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwa würden die Person Hitlers ebenso einbeziehen wie strukturelle Rahmenbedingungen, z.&nbsp;B. die Versailler Ordnung und das Verhalten anderer Akteure, etwa der europäischen Großmächte.
</p><p>In der <a href="Westliche_Welt" title="Westliche Welt">Westlichen Welt</a> herrscht heute eine durch den <a href="Liberalismus" title="Liberalismus">Liberalismus</a> geprägte Sichtweise vor. Folge ist ein im Grunde fortschrittsoptimistisches Geschichtsbild. Zur Zeit des Kalten Krieges konkurrierte es mit dem <a href="Marxismus" title="Marxismus">marxistischen</a> Geschichtsbild, das von gesellschaftlichen Strukturen ausging und daher den Zweiten Weltkrieg auch nicht dem Wirken einer Einzelperson, sondern einer geschichtsnotwendigen Phase, dem <a href="Faschismus" title="Faschismus">Faschismus</a> als Höhepunkt des <a href="Kapitalismus" title="Kapitalismus">Kapitalismus</a>, zuschrieb. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts erlebte das fortschrittsoptimische Geschichtsbild einen –&nbsp;etwas vorschnellen&nbsp;– Triumph im zunächst angenommenen&nbsp;»<a href="Ende_der_Geschichte" title="Ende der Geschichte">Ende der Geschichte</a>«&nbsp;(<a href="Francis_Fukuyama" title="Francis Fukuyama">Fukuyama</a>). Nach dem Ende der Systemkonkurrenz erwartete man, dass sich westlich-liberale Werte wie <a href="Demokratie" title="Demokratie">Demokratie</a>, <a href="Marktwirtschaft" title="Marktwirtschaft">Marktwirtschaft</a> und <a href="Menschenrechte" title="Menschenrechte">Menschenrechte</a> im Zuge der <a href="Globalisierung" title="Globalisierung">Globalisierung</a> nun durchsetzen würden. Neuere Entwicklungen und eine nuanciertere Bewertung der Globalisierung haben zu einer Dämpfung des Optimismus geführt. Dennoch geht das heutige Geschichtsbild im Grunde auch weiterhin von Geschichte im Sinne einer „Weiterentwicklung“ aus.
</p><p>Der <a href="Islamismus" title="Islamismus">Islamismus</a> hingegen geht von einer viel stärker schicksalsgebundenen Geschichte aus als der liberalistisch geprägte Westen.
</p><p>Das erste Drittel des 20.&nbsp;Jahrhunderts hingegen war in Deutschland von der Vorstellung geprägt, dass sich Kulturen wie Organismen entwickeln und daher entstehen und vergehen. Eines der bedeutendsten Werke dieses Geschichtsbildes war&nbsp;»<a href="Der_Untergang_des_Abendlandes" title="Der Untergang des Abendlandes">Der Untergang des Abendlandes</a>«&nbsp;Oswald Spenglers. Wiederum anders war das Geschichtsbild des <a href="Nationalsozialismus" title="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</a>, eine Mischung aus solchen spenglerisch-organisch-preußischen und sozialdarwinistisch-rassistischen Vorstellungen, wonach das Recht des Stärkeren, das der so genannten »Herrenrasse«, galt.
</p><p>Die Geschichtswissenschaft vertritt ein durchweg komplexeres und vielschichtigeres Geschichtsbild als die öffentliche Wahrnehmung. Einzelne Geschichtsbilder wie etwa die Vorstellung von großen Einzelgestalten, von Geschichte im Sinne einer Fortschritts- und Aufwärtsbewegung oder auch Machiavellis „Lernen aus der Geschichte“ halten sich bis heute hartnäckig, auch wenn die aktuelle Forschung derartige Geschichtsbilder in ihrer Einfachheit und Einseitigkeit meist verwirft.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ursachen_von_Geschichtsbildern">Ursachen von Geschichtsbildern</h2></div>
<p><a href="Idealismus_(Philosophie)" class="mw-redirect" title="Idealismus (Philosophie)">Nicht-idealistische</a> wissenschaftliche Ansätze versuchen, im Sinne einer <a href="Mentalit%C3%A4tsgeschichte" title="Mentalitätsgeschichte">Mentalitätsgeschichte</a>, <a href="Kultursoziologie" title="Kultursoziologie">Kultursoziologie</a> oder <a href="Wissenssoziologie" title="Wissenssoziologie">Wissenssoziologie</a> die verschiedenen Geschichtsbilder als Ergebnisse der gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen. Beispielsweise werden kulturpessimistische Geschichtsbilder als Teil der Mentalität von Bevölkerungsgruppen gedeutet, die im Verlauf des gesellschaftlichen Wandels allmählich von relativ privilegierten Positionen absteigen. Umgekehrt ist eine gängige Deutung kulturoptimistischer Geschichtsbilder, sie als Teil der Mentalität einer allmählich aufsteigenden Bevölkerungsgruppe zu sehen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichtsbild_(konkret)"><span id="Geschichtsbild_.28konkret.29"></span>Geschichtsbild (konkret)</h2></div>

<p>Im Unterschied zur <a href="Historienmalerei" title="Historienmalerei">Historienmalerei</a>, die im Nachhinein Bilder zur Geschichte erstellt, die dem eigenen <i>Geschichtsbild</i> (im übertragenen Sinne) entsprechen, gibt es auch Bilder, die geschichtliche Zustände und Vorgänge <i>ihrer Zeit</i> darstellen. Das vielleicht berühmteste Geschichtsbild in diesem Sinne ist der <a href="Teppich_von_Bayeux" title="Teppich von Bayeux">Teppich von Bayeux</a>, der die <a href="Schlacht_von_Hastings" class="mw-redirect" title="Schlacht von Hastings">Schlacht von Hastings</a> darstellt. Noch realistischer sind die Darstellungen auf römischen <a href="Triumphbogen" title="Triumphbogen">Triumphbögen</a> und <a href="Trajanss%C3%A4ule" title="Trajanssäule">-säulen</a>. Doch bereits Ägypter und Assyrer haben Kämpfe ihrer Zeit bildlich dargestellt.
</p><p>Aus dem Mittelalter sind die <a href="Berner_Chronik" title="Berner Chronik">Berner Chronik</a> von <a href="Diebold_Schilling_der_%C3%84ltere" title="Diebold Schilling der Ältere">Diebold Schilling dem Älteren</a> und die Illustrationen zum <a href="Konstanzer_Konzil" class="mw-redirect" title="Konstanzer Konzil">Konstanzer Konzil</a> von <a href="Ulrich_von_Richental" class="mw-redirect" title="Ulrich von Richental">Ulrich von Richental</a> zu nennen.
</p><p>Auch bei „zeitnahen“ Bildern spielt freilich die Darstellungsabsicht immer eine wichtige Rolle. Dies kann zum Beispiel die Darstellung der Machtentfaltung sein – so etwa bei den assyrischen oder babylonischen Darstellungen ihrer siegreichen Könige. Ein anderes Beispiel, das gerne zitiert wird, ist die Kaiserproklamation von Versailles. Davon gibt es mehrere Versionen und interessanterweise ist die Version, in der Bismarck in den Mittelpunkt gerückt wurde, die bekannteste. Diese Version hat Kaiser Wilhelm I. selbst in Auftrag gegeben, um sie Bismarck zum Geburtstag zu schenken. Fotos sind auch Gegenstand von Veränderungen in der Darstellung. Ein gutes Beispiel aus dem 20. Jahrhundert ist die Fälschung von Fotos durch Retuschieren zur <a href="Damnatio_memoriae" title="Damnatio memoriae">damnatio memoriae</a> von Gegnern <a href="Stalin" class="mw-redirect" title="Stalin">Stalins</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>

<ul><li><a href="Geschichtsbewusstsein" title="Geschichtsbewusstsein">Geschichtsbewusstsein</a></li>
<li><a href="Geschichtsdidaktik" title="Geschichtsdidaktik">Geschichtsdidaktik</a></li>
<li><a href="Geschichtsphilosophie" title="Geschichtsphilosophie">Geschichtsphilosophie</a></li>
<li><a href="Gemeinsame_Kommission_f%C3%BCr_die_Erforschung_der_j%C3%BCngeren_Geschichte_der_deutsch-russischen_Beziehungen" title="Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen">Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen</a> (seit 1997)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Marko_Demantowsky" title="Marko Demantowsky">Marko Demantowsky</a>: <i>Geschichtsbild.</i> In: <a href="Ulrich_Mayer" title="Ulrich Mayer">Ulrich Mayer</a>, <a href="Hans-J%C3%BCrgen_Pandel" title="Hans-Jürgen Pandel">Hans-Jürgen Pandel</a>, <a href="Gerhard_Schneider_(Historiker)" title="Gerhard Schneider (Historiker)">Gerhard Schneider</a>, <a href="Bernd_Sch%C3%B6nemann" title="Bernd Schönemann">Bernd Schönemann</a> (Hrsg.): <i>Wörterbuch Geschichtsdidaktik.</i> Wochenschau, Schwalbach am Taunus 2006, ISBN 3-89974-257-5, S.&nbsp;70&nbsp;f., online: <a rel="nofollow" class="external free" href="https://hcommons.org/deposits/item/hc:23935">https://hcommons.org/deposits/item/hc:23935</a>.</li>
<li><a href="Karl-Ernst_Jeismann" title="Karl-Ernst Jeismann">Karl-Ernst Jeismann</a>: <i>Geschichtsbilder. Zeitdeutung und Zukunftsperspektive.</i> In: <i><a href="Aus_Politik_und_Zeitgeschichte" title="Aus Politik und Zeitgeschichte">Aus Politik und Zeitgeschichte</a>.</i> 52. Jg., Nr. 51–52, 2002, S.&nbsp;13–22 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bpb.de/apuz/26551/geschichtsbilder-zeitdeutung-und-zukunftsperspektive?p=all">online</a>).</li>
<li>Christina Jostkleigrewe, Christian Klein, Kathrin Prietzel, Peter F. Saeverin, Holger Südkamp (Hrsg.): <i>Geschichtsbilder. Konstruktion – Reflexion – Transformation</i> (= <i>Europäische Geschichtsdarstellungen.</i> Bd. 7). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2005, ISBN 3-412-26605-1.</li>
<li><a href="Gerhard_Schneider_(Historiker)" title="Gerhard Schneider (Historiker)">Gerhard Schneider</a>: <i>Geschichtsbild.</i> In: <a href="Klaus_Bergmann" title="Klaus Bergmann">Klaus Bergmann</a>, Klaus Fröhlich, <a href="Annette_Kuhn_(Historikerin)" title="Annette Kuhn (Historikerin)">Annette Kuhn</a>, <a href="J%C3%B6rn_R%C3%BCsen" title="Jörn Rüsen">Jörn Rüsen</a>, Gerhard Schneider (Hrsg.): <i>Handbuch der Geschichtsdidaktik.</i> 5. Auflage. Kallmeyer, Seelze-Velber 1997, ISBN 3-7800-4920-1, S.&nbsp;290–293.</li></ul>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable normdaten-typ-s" style="border-style: solid; border-width: 1px; clear: left; margin-bottom:1em; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="normdaten">
<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4071769-0">4071769-0</a></span> </div>
</div></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-10-15" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Geschichtsbild&amp;oldid=260620617">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>

</body></html>